Vollbeschäftigung

Vollbeschäftigung liegt vor, wenn es mehr offene Stellen gibt als Bürger, die Arbeit suchen. Politik und Wissenschaft gehen allerdings davon aus, dass viele Arbeitsuchende auch in einer solchen Situation etwas Zeit brauchen, um eine passende neue Stelle zu finden. Daher werden einige Bürger selbst unter optimalen Bedingungen vorübergehend keine Beschäftigung haben. Die Wissenschaft spricht hier von friktioneller Arbeitslosigkeit, weil sie durch Schwierigkeiten (Friktionen) bei der Jobsuche hervorgerufen wird. Sie ist der Grund, weshalb Vollbeschäftigung nicht mit einer Arbeitslosenquote von Null gleichgesetzt wird, sondern schon bei 2 bis 4 Prozent erreicht ist.

Deutschland auf dem Weg zur Vollbeschäftigung?

Mit einer Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent im Jahr 2017 nähert sich die Bundesrepublik der Vollbeschäftigung an. Einzelne Regionen haben das Ziel bereits erreicht: Bayern etwa 2017 eine Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent, Baden-Württemberg kam auf eine Quote von 3,5 Prozent. Auch auf bestimmten Berufsfeldern kann Vollbeschäftigung herrschen. In den technisch-naturwissenschaftlichen Berufen, zu denen beispielsweise Ingenieure und Informatiker zählen, fehlen mittlerweile sogar Arbeitskräfte. So fehlten nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft im Herbst 2017 in den MINT-Berufen mehr als 337.000 Fachkräfte.

Vollbeschäftigung in der Wirtschaftspolitik

Deutschland hat die Vollbeschäftigung im sogenannten Stabilitätsgesetz als wichtiges Ziel der Wirtschaftspolitik verankert. Weitere Ziele sind Stabilität des Preisniveaus, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und angemessenes Wirtschaftswachstum. Die vier Ziele werden oft als „magisches Viereck“ der Wirtschaftspolitik bezeichnet. Das Attribut „magisch“ deutet an, dass sich die Ziele in der Regel nicht gleichzeitig erfüllen lassen.

Harmonisierte Arbeitslosenquoten 2016

Niederlande

6,0

Schweiz

4,9

Österreich

6,0

Japan

3,1

Australien

5,7

Dänemark

6,2

Deutschland

4,1

Vereinigtes Königreich

4,8

Italien

11,7

Belgien

7,9

Kanada

7,0

Schweden

7,0

OECD-Durchschnitt

6,3

USA

4,9

Frankreich

10,1

Irland

8,4

Spanien

19,7

Quelle: OECD